Review: Cheryl Strayed: Wild

Hallo zusammen, heute möchte ich euch mal wieder ein Buch vorstellen, dass ich Ewigkeiten auf meinem SuB liegen hatte: Cheryl Strayeds “Wild – A journey from lost to found”.

Wahrscheinlich eilt der Ruf des Buches und des 2015 erschienenen Film mit Reese Witherspoon in der Hauptrolle meiner Rezension voraus, aber ich möchte trotzdem kurz die Handlung zusammen fassen.

Das Buch ist autobiographisch und handelt von der Pilgerreise der Autorin über den Pacific Crest Trail, kurz PCT. Der PCT verläuft von der mexikanischen Grenze Kaliforniens durch den kompletten nordamerikanischen Westen bis zur kanadischen Grenze in British Columbia und ist 4279 km lang.

Cheryl selbst wandert ca. 1600 km des PCT in etwas 3 Monaten, und das komplett auf sich gestellt. Das Buch befasst sich viel mit Cheryls Vergangenheit und den Gründen, weshalb es sie letztlich auf die Straße verschlägt. Sie verarbeitet den Krebstod ihrer Mutter, ihre Scheidung, die sie durch destruktives Verhalten selbst herbeigeführt hat und Heroinkonsum. Sie ist zu Reiseantritt so ziemlich weit am Boden, wie man sein kann.

Das Buch erzählt von Cheryls Strapazen, ihrem viel zu schweren Rucksack, den zu kleinen Stiefeln, die sie mehrere Fußnägel kosten, aber auch den Begegnungen mit anderen Wanderern, netten Menschen, die sie mit dem Auto mitnehmen, ihr eine Limo schenken, etc.

Die Bewertung dieser Biographie fällt mir sehr schwer, zum einen habe ich wirklich erschreckend lange gebraucht, um das Buch durchzulesen. Manchmal hatte ich wirklich große Lust, sofort die Stiefel zu packen und mich selbst auf die Reise zu begeben, an anderen Stellen ist mir Cheryls Destruktivität wirklich auf die Nerven gegangen. Die meisten Wanderer bereiten sich über ein Jahr auf den PCT vor, sparen Geld, üben Techniken, z.B. wie man den Wasserfilter benutzt, oder wie man durch vereisten Schnee mit einer Schneeaxt wandert, ohne den Berg runterzuschlittern (!). Cheryl hat ein Buch zu dem Thema gelesen, hat alles Geld was sie hatte jeweils auf ihre Vorratsboxen verteilt und ist ziemlich unvorbereitet losgestiefelt. Die sehr persönlichen Gründe fand ich teilweise einleuchtend, dann wiederum denke ich, dass man nicht jede blöde Jugendaktion auf den Tod seiner Mutter oder das generell schwierige Verhältnis zu seiner Familie schieben kann. Cheryl übernimmt mit immerhin 26 Jahren für meinen Geschmack zu wenig Verantwortung für ihre Handlungen.

Wie gesagt, das Buch inspiriert wirklich, etwas “Soulsearching” für sich selbst zu betreiben, sei es nun eine so harte Wanderung oder vielleicht doch nur ein entspanntes Musik Festival. Allerdings finde ich es nach der Lektüre erstaunlich, dass um Wild so ein Hype entstanden ist, wie bei uns zulande um Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg”, wenn das Vorbild so unkoordiniert ist und nur mit Glück unversehrt bleibt.

Ich glaube, ich mochte den Charakter Cheryl nicht, weil ich selbst die meiste Zeit nicht so handeln würde, deshalb fällt es mir schwer, das Buch zu verschlingen oder von Herzen weiterzuempfehlen. Allerdings sehe ich schon, dass es ein lesenswertes Buch ist, das einen anderen Ansatz und einen sehr originalen Charakter vorstellt.

Ich empfehle das Buch deshalb allen, die eine inspirierende Geschichte über eigene Charakterentwicklung und den Glauben an das Gute in den alltäglichen Begegnungen lesen möchten. Es sollte euch dabei allerdings nichts ausmachen, dass der tatsächliche Reiseberichtsanteil kleiner ausfällt als erwartet. Ich vergebe 4 Tässchen, denn das Buch ist lesenswert, auch wenn man es nicht mag.

4of5

Habt ihr Wild schon gelesen oder den Film gesehen? Welche anderen Reiseberichte könnt ihr empfehlen? Schreibt mir gerne Kommentare 🙂

Eure Katy

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