Review: Alexandra Bracken: Passenger

Hallo ihr Lieben, ich muss euch sagen, noch nie war ich so unglücklich über meine selbst auferlegte Lese-Bucket-List. “Passenger” von Alexandra Bracken kann ich allen Jugendbuchfans wärmstens empfehlen, so warm, dass ich in die Tischkante beißen könnte, weil die Fortsetzung im Januar erschienen ist und ich noch nicht loslesen kann.

Aber zur Sache: Alexandra Bracken ist einigen von euch vielleicht schon ein Begriff durch ihre “Die Überlebenden” Reihe. Sie hat auch einen der Star Wars Filme quasi verschriftlich, cool, huh? Ich jedenfalls hatte noch nie von ihr gehört und wurde ehrlich gesagt vom Cover geködert.

Das Buch konnte mich mit drei Hauptzutaten überzeugen:

  1. Reiseabenteuer zu Schiff
  2. Zeitreisen, die wie üblich Paradoxe nach sich ziehen, aber nicht völlig verwirrend sind
  3. Eine wirklich schöne Liebesgeschichte, die plausibel (im Rahmen von Zeitreisen plausibel), romantisch, nicht zu kitschig und auch nicht zu sexversessen sind

Die Geschichte fängt relativ normal mit Etta an, die kurz vor einem wichtigen Geigenkonzert steht. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist etwas schwierig, weil das Leben der beiden und der Geigenlehrerin und guten Freundin der Kleinfamilie sich um Geige und nur um Geige dreht. Während des Vorspiels kommt es allerdings zu einem Zwischenfall, bei dem ein Mädchen mit antiquierter Kleidung auftaucht, Etta durch eine Art Portal schubst und diese Tage später auf einem Schiff wieder aufwacht.

Passenger bei Amazon, eine deutsche Ausgabe ist noch nicht erschienen

Auf einem Schiff. Ich liebe Schiffe. Erst letztens ist mir aufgefallen, wie viele Buchcover sich auf meinem Pinterest-Board tummeln, die irgendetwas mit Schiffen, dem Meer, Reisen etc. zu tun haben. Ich bin einfach totaler Fan von gut recherchierten Abenteuerromanen, bei denen ich das Meerwasser riechen kann und die exotischen Länder vor meinem inneren Auge in der Mittagshitze flirren. Hach. Ich schweife ab.

Jedenfalls fangen ab da erwartungsgemäß die Probleme erst an. Etta befindet sich in mitten einer Enterung (das ist der korrekte Terminus!) und ertrinkt im Laufe des Gefechts beinahe, wird aber heldenhaft gerettet von Captain Nicholas Carter. Etta erfährt während ihrer Reise einiges über das Zeitreisen, einer Gabe, die nur sehr wenige Familien beherrschen. Nicholas und das Mädchen, das Etta in die Vergangenheit nach 1776 geschubst hat, haben den Auftrag, Etta zum Familienoberhaupt zu bringen, der wiederum ganz andere Pläne verfolgt…

Letztlich kommt es natürlich anders und für Nicholas und Etta beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Familienstory wird noch ein klein wenig komplizierter als ich sie hier dargestellt habe, denn es stellt sich heraus, dass Ettas Mutter Etta ihr ganzes Leben auf diese Zeitreise vorbereitet hat. Etta landet mit Hilfe von Hinweisen und Rätseln ihrer Mutter an verschiedene Orte in der Vergangenheit.

Etta und Nicholas sind seit langer Zeit endlich ein Paar das ich wirklich komplett zuckersüß finde, obwohl die Autorin gar nicht soo sehr mit der Zuckerglasur um sich wirft. Mein Lieblingszitat dazu an der Stelle:

“I love you.” For whatever small comfort it was worth, he would have the truth between them now. “Most desperately. Bloody inconvenient, that.”

Bracken erfindet das Genre nicht neu, aber das finde ich auch nicht schlimm. Es tauchen bekannte Elemente auf: Girl-meets-boy-Liebesgeschichte, ein magisches Artefakt, eine abenteuerliche Reise zu eben diesem Artefakt, der ein oder andere vorhersehbare oder auch weniger vorhersehbare Plot-Twist. Ich finde den Schreibstil sehr flüssig, Nicholas und Etta können bei Zeiten schlagfertig und witzig sein, ohne dass das Ganze albern oder aufgesetzt wirkt. Bei Amazon gibt es zu dem Buch eine Blick-ins-Buch Funktion, da könnt ihr schnuppern, ob euch das Buch zusagt 🙂

Abzüge in der B-Note gibt es von mir für das letzte Drittel des Buches. Da hätten die Schauplätze für meinen Geschmack mehr ausgearbeitet oder sogar ausgenutzt werden können. Z.B. kommen Nicholas und Etta total gehetzt in Paris an, was aber in sagenhaften 15 Seiten abgehandelt wird. Die Schauplätze wechseln zum Schluss hin schneller, was etwas auf Kosten der Atmosphäre geht. Das ist allerdings natürlich mein subjektiver Eindruck, für mich blieb es dennoch sehr spannend und ich habe die immerhin 485 Seiten in zwei Tagen durchgelesen.

Alles in Allem ein solider Abenteuerroman für Jugendbuchfans, nicht zu kitschig und für mich genau die richtige Menge an Seeluft. Da abgesehen von den wirklich sehr sympathischen Charakteren nichts wirklich originelles in der Story ist, vergebe ich 4 Tässchen und freue mich riesig auf die Fortsetzung Wayfarer, mit der die Reihe dann auch schon abgeschlossen ist.

4of5

Review: David Ebershoff: The danish girl/ das dänische Mädchen

Heute gibt es mal wieder eine Review, liebe Leute! Grad heute morgen habe ich “The danish girl” von David Ebershoff zuende gelesen. Ich glaube, das ist tatsächlich das einzige “Movie-tie-in-Buch”, das ich besitze, ich habe irgendwie eine üble Aversion gegen Neuauflagen mit Filmcovern und – oh graus – Filmszenen in der Mitte des Buchs. Die Filmszenen sind mir erspart geblieben und durch Eddie Redmayne kann mich das Cover auch nicht wirklich abschrecken 😉 Ein weiteres dunkles Geheimnis: Das Buch liegt seit ca. einem Jahr auf meinem SuB und die finale Motivation es zu lesen kam in den Weihnachtsferien, als ich “Die Entdeckung der Unendlichkeit” geguckt habe und erkannt habe, dass Eddie Redmayne einfach der allerbeste ist. Aber das wusste ich schon vor vielen Jahren, als er in “Die Schwester der Königin” mitgespielt hatte. Ich schweife ab…

Die Movie-tie-in-Edition bei Amazon auf englisch

Zum Buch (endlich): Das Buch basiert auf der realen Vorlage des Einar Wegener, der 1931 der erste Mann war, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte. Der reale Einar hat recht detailliert Tagebuch geführt und seinen inneren Kampf zwischen Einar und Lily, wie er und seine Frau seine weibliche Persönlichkeit nennen, geschildert.

Einar und Greta, eine starke amerikanische Frau, sind beide Künstler. Greta lernt den schüchternen und schmalen Einar auf einer Kunsthochschule in Dänemark kennen, er ist ihr Lehrer. Die Geburtsstunde von Lily ist der Tag, an dem Greta ihren Mann bittet, Damenstrümpfe anzuziehen, damit sie an ihrem neuesten Portrait arbeiten kann, weil ihr Modell keine Zeit zum Modell stehen hatte. Aus Strümpfen wird ein Kleid, aus Einar im Kleid wird Lily, aus Lily wird schnell die Cousine Einars, die der Gesellschaft von Kopenhagen vorgestellt wird.

Das Buch schlägt leisere Töne an. Ich hatte Schwierigkeiten, komplett in die Geschichte einzutauchen, obwohl Ebershoff sehr detailliert beschreibt. Das Malen, die Landschaften, die Einar zur Leinwand bringt, die jeweiligen Heimatorte der beiden, die mit so vielen Emotionen verknüpft sind. Lilys Kleider und jede Kontur ihres Gesichts wird minuziös beschrieben. Es geht in dem Buch nicht um die Art und Weise, wie die Operation in Dresden letztlich durchgeführt wird, selbst die Vorurteile, denen sich ein Mann, der sich in seinem eigenen Körper gefangen fühlt, stellen muss werden nur sehr indirekt geschildert. Es geht um die Veränderung in der Beziehung zwischen Einar und Greta, um die Erkenntnis, dass Lily eine gänzlich andere Persönlichkeit besitzt als Einar und Einar schließlich weichen muss, um Platz für Lilys Leben zu machen.

Die deutsche Version bei Amazon

Greta liebt ihren Mann Einar und dessen alter Ego Lily von ganzem Herzen. Von Anfang an bremst sie Einar nicht aus, nicht in dem Moment, als sie das erste Mal nach Hause kommt und Einar unaufgefordert in Frauenkleidern auf der Couch sitzt, nicht wenn sie via Zettelchen kommunizieren muss, weil Lily und Einar gänzlich unterschiedliche Menschen sind, und sich jeweils nicht erinnern können, was Greta zu dem jeweils anderen gesagt hat und erst recht nicht, als verschiedene Ärzte, denen sich Greta aus Verzweiflung anvertraut hat, ihr raten, dass Einar gegen Homosexualität behandelt werden muss. Sie verlässt fluchtartig mit Einar das Land und lebt mit ihm in Paris, aus Angst einer der Ärzte könnte Einar einsperren, weil er eine Gefahr darstellen würde. Bis zuletzt fällt es ihr schwer, Einar und Lily loszulassen, Lily ihr eigenes Leben leben zu lassen und die Tatsache zu akzeptieren, dass ihre Ehe unwiederruflich vorbei ist.

Eventuell ist genau das mein Problem in der Geschichte gewesen: Greta liebt ihren Mann und Lily bedingungslos. Es gibt wenn überhaupt nur zwei oder drei Momente in denen sie ein mini-bisschen angenervt von der Gesamtsituation ist, obwohl ihre Ehe, brutal ausgedrückt, den absoluten Bach runter geht. Sie hat keinen Sex mehr, sie muss auf Lily aufpassen wie auf eine Teenager-Tochter und trägt die ganze Zeit die Belastung des Geheimnisses mit sich herum. Einar selbst, bzw. Lily, kommt nur einmal mit Ablehnung in Berührung, als eine Bordellbesitzerin ihn rausschmeißt, weil er Sex mit einem fremden Mann haben wollte. Der kleine Kreis von Freunden, den Greta und Einar umgibt, fasst die Tatsache, dass Einar lieber eine Frau wäre, auch viel zu gut auf. Es gibt keine Irritation. Ich bin mir sicher, dass es in meinem Freundeskreis durchaus Irritationen geben würde, wenn ich plötzlich berichten würde, dass der Cousin, der mir so ähnlich sieht, die ganze Zeit ich in Männerverkleidung gewesen bin.

Die Geschichte ist eigentlich wirklich interessant, vor allem, weil es eben bis auf einige Details die wahre Geschichte des Einar Wegeners ist, der sich zu Lily Elbe umoperieren lässt. Ich bin allerdings so gar nicht in die Geschichte reingekommen und habe 3 Wochen für 310 Seiten Buch gebraucht, daher kann ich nicht unbedingt sagen, dass mich das Buch komplett gefesselt hat. Es gibt von mir 2 Tässchen für eine wirklich schöne Geschichte einer Ehe, bei der mir aber einfach der Schreibstil nicht zugesagt hatte und mir einige Dinge nicht realistisch genug waren, dafür dass das Buch den Anspruch einer wahren Geschichte hat. Für Buchclubs eventuell sehr lohnend.

2of5

Hat von euch schon jemand das Buch gelesen oder den Film geguckt? Hinterlasst mir eure Meinungen!

Eure Katy

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