Review: Cheryl Strayed: Wild

Hallo zusammen, heute möchte ich euch mal wieder ein Buch vorstellen, dass ich Ewigkeiten auf meinem SuB liegen hatte: Cheryl Strayeds “Wild – A journey from lost to found”.

Wahrscheinlich eilt der Ruf des Buches und des 2015 erschienenen Film mit Reese Witherspoon in der Hauptrolle meiner Rezension voraus, aber ich möchte trotzdem kurz die Handlung zusammen fassen.

Das Buch ist autobiographisch und handelt von der Pilgerreise der Autorin über den Pacific Crest Trail, kurz PCT. Der PCT verläuft von der mexikanischen Grenze Kaliforniens durch den kompletten nordamerikanischen Westen bis zur kanadischen Grenze in British Columbia und ist 4279 km lang.

Cheryl selbst wandert ca. 1600 km des PCT in etwas 3 Monaten, und das komplett auf sich gestellt. Das Buch befasst sich viel mit Cheryls Vergangenheit und den Gründen, weshalb es sie letztlich auf die Straße verschlägt. Sie verarbeitet den Krebstod ihrer Mutter, ihre Scheidung, die sie durch destruktives Verhalten selbst herbeigeführt hat und Heroinkonsum. Sie ist zu Reiseantritt so ziemlich weit am Boden, wie man sein kann.

Das Buch erzählt von Cheryls Strapazen, ihrem viel zu schweren Rucksack, den zu kleinen Stiefeln, die sie mehrere Fußnägel kosten, aber auch den Begegnungen mit anderen Wanderern, netten Menschen, die sie mit dem Auto mitnehmen, ihr eine Limo schenken, etc.

Die Bewertung dieser Biographie fällt mir sehr schwer, zum einen habe ich wirklich erschreckend lange gebraucht, um das Buch durchzulesen. Manchmal hatte ich wirklich große Lust, sofort die Stiefel zu packen und mich selbst auf die Reise zu begeben, an anderen Stellen ist mir Cheryls Destruktivität wirklich auf die Nerven gegangen. Die meisten Wanderer bereiten sich über ein Jahr auf den PCT vor, sparen Geld, üben Techniken, z.B. wie man den Wasserfilter benutzt, oder wie man durch vereisten Schnee mit einer Schneeaxt wandert, ohne den Berg runterzuschlittern (!). Cheryl hat ein Buch zu dem Thema gelesen, hat alles Geld was sie hatte jeweils auf ihre Vorratsboxen verteilt und ist ziemlich unvorbereitet losgestiefelt. Die sehr persönlichen Gründe fand ich teilweise einleuchtend, dann wiederum denke ich, dass man nicht jede blöde Jugendaktion auf den Tod seiner Mutter oder das generell schwierige Verhältnis zu seiner Familie schieben kann. Cheryl übernimmt mit immerhin 26 Jahren für meinen Geschmack zu wenig Verantwortung für ihre Handlungen.

Wie gesagt, das Buch inspiriert wirklich, etwas “Soulsearching” für sich selbst zu betreiben, sei es nun eine so harte Wanderung oder vielleicht doch nur ein entspanntes Musik Festival. Allerdings finde ich es nach der Lektüre erstaunlich, dass um Wild so ein Hype entstanden ist, wie bei uns zulande um Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg”, wenn das Vorbild so unkoordiniert ist und nur mit Glück unversehrt bleibt.

Ich glaube, ich mochte den Charakter Cheryl nicht, weil ich selbst die meiste Zeit nicht so handeln würde, deshalb fällt es mir schwer, das Buch zu verschlingen oder von Herzen weiterzuempfehlen. Allerdings sehe ich schon, dass es ein lesenswertes Buch ist, das einen anderen Ansatz und einen sehr originalen Charakter vorstellt.

Ich empfehle das Buch deshalb allen, die eine inspirierende Geschichte über eigene Charakterentwicklung und den Glauben an das Gute in den alltäglichen Begegnungen lesen möchten. Es sollte euch dabei allerdings nichts ausmachen, dass der tatsächliche Reiseberichtsanteil kleiner ausfällt als erwartet. Ich vergebe 4 Tässchen, denn das Buch ist lesenswert, auch wenn man es nicht mag.

4of5

Habt ihr Wild schon gelesen oder den Film gesehen? Welche anderen Reiseberichte könnt ihr empfehlen? Schreibt mir gerne Kommentare 🙂

Eure Katy

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Vorfreude: Wonder Woman!

Ieeks! Ich fühle mich mal wieder richtig jung, denn lange war ich nicht mehr so voller Vorfreude.

Vergangenes Wochenende war ich in Wonder Woman im Kino und fand den Film ziemlich gut. Was ich noch wichtiger finde: Der Film ist ein kleiner Meilenstein, denn es ist die erste Comicbuch-Verfilmung, bei der eine Frau die Regie geführt hat.

Patty Jenkins hat meiner Meinung nach auch ganze Arbeit geleistet, denn von der Amazonenprinzessin sieht man im ganzen Film über keine Brüste, keine absichtlich seltsamen Kameraeinstellungen etc. Diana ist stark, gutherzig und eigensinnig. Ihre Rüstung ist zwar aufgehübscht, jedoch erkennt man den römisch/ griechischen Touch. Mit der Rüstung könnte man tatsächlich kämpfen.

Noch eine letzte Lobeshymne, bevor ich zu der eigentlichen Neuigkeit komme: Die Amazonen von Dianas Heimatinsel sind zu einem guten Teil “echte” Sportlerinnen und Olympioniken, die ziemlich beeindruckende Stunts gemacht haben. Cool, oder?

Okay, den Film habe ich also geguckt, big deal. Was ist nun mit der Vorfreude?

Es wird einen Roman zu DCs Wonder Woman geben, und den hat keine Geringere als Leigh Bardugo beigesteuert! Wer noch nicht geschaltet hat, Leigh Bardugo ist die Autorin hinter der Grisha-Trilogie und “Six of crows”. Hier schon mal das Cover:

Und hier kommt ihr zur Amazonseite, wo ihr den Titel schon vorbestellen könnt. Jetzt heißt es bis Ende August warten und hoffen, dass das Ganze noch auf meinen SuB passt…

Kleine Info: Das Buch wird wohl kein Retelling vom Film, es wird etwas näher an der Comic-Vorlage bleiben. Ich bin gespannt!

Also, wer von euch hibbelt mit mir?

Eure Katy

Review: Harriet Reuter Hapgood: The square root of summer

Hallo liebe Leute, es ist schon etwas her, seid ich das letzte Mal eine Rezi veröffentlicht habe. Daher hat sich auch ein kleiner Rezensionsstau neben meinem Laptop angesammelt. Heute fange ich der Jahreszeit entsprechend mit “The square root of summer” an. Um dieses Buch bin ich schon ewig gekreist und habe es mir vor ein paar Wochen endlich gekauft, um es im Sommer zu lesen.

Zum Inhalt: Gottie lebt in einer Kleinstadt in England mit ihrem Vater, Bruder und Großvater Grey – nur ist Grey letzten Sommer verstorben. Für Gottie hat sich dadurch ein großes schwarzes Loch aufgetan. Bis zu diesem Sommer konnte sie sich verstecken und so tun, als wäre alles beim Alten, doch nun ist ihr Bruder für die Semesterferien zurück und schleppt Gotties erste Liebe von letztem Sommer an, Jason. Und als wäre das noch nicht genug, zieht Gotties Sandkastenfreund Thomas in Greys altes Zimmer.

Nun wird es abgespaced: Gottie bekommt immer wieder Blackouts, in denen sie den letzten Sommer mit Grey wieder durchlebt, ihre Verliebtheit mit Jason, die letzte legendäre Party, die ihr Großvater geschmissen hat, usw.

Meine Meinung: Leider hat sich meine Freude darüber, das Buch endlich in den Händen zu halten, ganz schnell gelegt, denn die Autorin hat deutsche Floskeln in das Buch eingebaut. Und zwar schlecht. Wirklich grottig. Sie sagt sogar in der Danksagung, dass sie für die deutschen Parts nur den Google-Übersetzer angeworfen hat. Dabei kommen dann Sachen wie “Fels-Papier-Schere” rum. Grammatikalisch passen die Satzfragmente auch nie in den Kontext und manche inhaltliche Sachen werden dadurch einfach falsch. Leider häuft sich das total und für mich war es wirklich unmöglich, mich so in die Story reinzufinden.

Neben dem “Deutsch-tum” spielt die Wissenschaft hier eine große Rolle. Gottie ist ein Wissenschaftsgenie. Sie kann superkomplizierte Formeln zu schwarzen Löchern aufstellen. Außer ein paar Büchern im Laden ihres Vaters, z.B. von Stephen Hawking, scheint sie nie besonders viel Zeit mit dem Thema verbracht zu haben. Irgendwie nehme ich der Autorin und ihren Figuren ihre Authenzität nicht ab.

Ich hatte gedacht, dass das Buch für “Geeks” wäre, dass also wissenschaftlich interessierte Jugendliche sich wiederfinden würden. Die dargestellte Wissenschaft besteht aber nur aus sehr komplizierten Formeln und ein paar Graphiken, die nicht zu detailliert erklärt werden, weil sie auch gar nicht allzu wichtig für die Handlung sind.

Auch wenn man von der Wissenschaft absieht, sind mir die Charaktere einfach nicht ans Herz gewachsen. Obwohl die Probleme total menschlich sind (Erste Liebe, Stress mit der besten Freundin, Zukunftsangst, Trauer), konnte ich mich weder mit Gottie identifizeren, noch großartig mit ihr fühlen.

Das alles ist sehr schade, weil ich die Idee, das Thema Liebe, Verlust und coming-of-age mal etwas anders zu verpacken, eigentlich sehr ansprechend fand. Ich für meinen Teil musste mich z.T. durchquälen.

Hinweis: Ich habe das Buch im Original gelesen. Bei der deutschen Übersetzung werden wahrscheinlich die Grammatikfehler ausgebügelt worden sein. Ob die Wissenschaft dann auch mehr Sinn ergibt, kann ich nicht beurteilen.

Alles in allem vergebe ich 2 Tässchen, da die Idee etwas Neues ist, die Autorin meiner Meinung nach aber ihre Hausaufgaben bei der Recherche nicht gemacht hat.

2of5

Habt ihr “The square root of summer” schon gelesen? Wie sehr stören euch Fehler im Lesefluss? Hinterlasst mir gerne Kommentare 🙂

Eure Katy

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Review: Sara Barnard: Beautiful broken things

Hallo zusammen, heute stelle ich euch ein Jugendbuch vor, “Beautiful broken things” von Sara Barnard.

Zur Handlung: Protagonistin Caddy und Rosie sind allerbeste Freundinnen, die Art von Freundinnen, ohne die man komplett einsam ist, wenn diese aus irgendwelchen Gründen “wegfallen” würde. Deshalb ist es einigermaßen verständlich, dass Caddy ausflippt, als das neue Mädchen, Suzanne, sich mit Rosie anfreundet. Suzanne scheint alles zu haben: Sie wohnt bei ihrer jungen Tante, hat das Aussehen und das Selbstbewusstsein, die Jungs in der Schule um den Finger zu wickeln und hat immer einen gewisen Hauch Teenager-Rebellion um sich. Zu Anfang hat Caddy Angst, Rosie zu verlieren und fühlt sich als drittes Rad, wenn die beiden alleine losziehen und “coole” Sachen unternehmen, auf die Caddy meist keine Lust hat, Partys etc.

Doch nach und nach lernt Caddy Suzanne besser kennen und die beiden werden ebenfalls beste Freunde. Caddy erfährt dadurch einiges aus Suzannes Vergangenheit und versteht langsam, dass Suzannes Art viel Fassade birgt, da sie aus einem zerrütteten Zuhause kommt und mit ihren ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat.

Letztlich geht es in diesem Buch um Freundschaft, dem Umgang mit depressiven Menschen und die Einsicht, dass der beste Weg auf keinen Fall immer der leichteste ist. Viel mehr möchte ich von der Handlung nicht vorwegnehmen.

Nun zu meiner Meinung. Das Thema Mädchenfreundschaft ist natürlich sehr alltagsnah und nachvollziehbar, leider empfand ich keine der Charaktere als authentisch. Die Charaktere, vor allem die Mädchen Caddy, Rosie und Suzanne, machen Entwicklungen durch, die ich teilweise für unplausibel hielt. Zu Anfang des Buches ist Caddy ein normales 16-jähriges Mädchen, dass sehr behütet aufwächst, auf eine Privatschule für Mädchen geht und sich grundsätzlich an alle Regeln hält. Durch Suzanne dreht sie sich allerdings in relativ kurzer Zeit um 180° und schwänzt plötzlich Schule, treibt sich nachts mit Suzanne rum, geht auf Partys, trinkt Alkohol usw. Das nehme ich ihr schlichtweg nicht ab. Für meinen Geschmack ziehen sich die 320 Seiten zum Teil ganz schön lang hin, allerdings gibt es Pluspunkte für das Einbringen von Textnachrichten im Jugendjargon, den ich wieder tatsächlich realistisch empfand. Da kann ich jetzt allerdings nur für die englische Originalversion sprechen, im Deutschen mag das holpriger klingen.

Ein riesiges Minus war für mich Folgendes: Suzanne wird als “leichtes Mädchen” dargestellt, d.h. sie hatte schon Sex in ihrem Alter und hat sich mit einem Jungen eingelassen, der ihr auf einer Party deswegen üble Sprüche drückt und später sogar ihren Alkoholpegel ausnutzen will, um noch einmal mit ihr zu schlafen. Die Vergewaltigung wird nur verhindert, weil Caddy eingreift und mit Suzanne abhaut. Ähnliches passiert Caddy allerdings selbst auf einer anderen Party. Im Unterton der Geschichte schwingt ein wenig mit, dass Suzanne selbst Schuld ist, dass ihr die Jungs nachstellen, weil sie ja praktisch “darum bettelt”. Die Täter werden nicht verantwortlich gemacht. Ich verstehe, dass das traurige Realität ist, und es wäre ein Märchenende, wenn der Junge irgendeine Form von Karma-Strafe erhalten würde, aber ich finde wirklich nicht, dass junge Mädchen (10 -14 Jahre) das ungefiltert lesen sollten. Ich könnte da jetzt noch ewig drüber schreiben, ich überlasse es aber jedem selbst, sich seine Meinung über dieses Thema zu bilden.

Ich vergebe alles in allem zwei Tässchen für ein Jugendbuch über Mädchenfreundschaften mit gewissen thematischen Schwächen.

2of5

Habt ihr das Buch gelesen? Was haltet ihr von Caddy und ihrer Freundschaft zu Suzanne? Hinterlasst gerne Kommentare 🙂

 

Eure Katy

Review: Tom Michell: The Penguin Lessons

Hallo liebe Leute, es ist mal wieder ein langes Wochenende und ich nehme mir Zeit zum Rezensieren, ich erkenne da ein Muster 🙂

“The Penguin Lessons” war ein Spontankauf, den ich recht lange auf meinem SuB liegen hatte, weil mich die Beschreibung dann doch nicht mehr so gepackt hatte. Ich hatte eine kitschige “Tiere sind unsere Freunde” Geschichte erwartet, die man in einem typischen Buchclub lesen würde, wenn man sich auf kein einheitliches Genre einigen kann. Umso mehr bin ich nach der Lektüre positiv überrascht, wie gut mir das Buch gefallen hat.

Zum Inhalt: Tom Michell schreibt in seinem Buch autobiographisch von seiner Zeit als Aushilfslehrer in einem Jungeninternat in Argentinien in den 1970er Jahren. Doch bevor er seinen Job antritt, hat er einen Zwischenaufenthalt in Urugay, an dessen Strand er zufällig Augenzeuge einer grässlichen Ölpest wird, der hunderte Pinguine elendich zum Opfer fallen. Hunderte Pinguine – bis auf einen. Der kleine Racker bewegt und wehrt sich gegen das Öl und Tom beschließt kurzerhand, ihn nicht einfach seinem Schicksal zu überlassen, sondern zu helfen. Er bugsiert den Vogel, den er später Juan Salvador tauft, kurzerhand in sein Apartment, wo er ihn mit einigen Hindernissen säubert und anschließend versucht, wieder auszusetzen. Dumm nur, dass Juan Salvador nicht alleine zurück ins Meer möchte und er Tom stattdessen auf Schritt und Tritt folgt. Der Pinguin verbringt deshalb das Jahr mit im Internat und gewinnt die Herzen aller Menschen um sich herum mit nur einem Flop-Flop seiner Flügel und verändert ganz nebenbei ihre Einstellung zum Leben.

Abgesehen davon, dass ich jedem, der Juan Salvador nicht für den knuffigsten Pinguin der Welt hält, all seine menschlichen Gefühle aberkenne, lernt man durch dieses Büchslein auch eine ganze Menge. Zum einen – offensichtlich – über Pinguine, ihr Verhalten und Wesen. Das Buch ist aber auch eine Art Reisebericht, denn Tom nutzt die Zeit in Argentinien und reist mit seinem Motorrad durchs Land. Man erhält dadurch einen lebhaften Eindruck über Argentinien in den 1970er Jahren, über die Inflation, über seine Bewohner, die Flora und Fauna und sogar über die Lebensweise der Gauchos.

Ich kann das Buch sehr empfehlen, weil es meiner Meinung nach einem recht Breiten Spektrum von Lesern gefallen könnte. Es ist autobiographisch, es vereint die Liebe zum Abenteuer mit der Liebe zur Natur und ist insgesamt einfach stimmig. Es hat mich zwischendurch immer mal wieder erstaunt, dass dieses Buch auf wahren Begebenheiten basiert. Außerdem sind die Kapitel in sich meist abgeschlossen, so dass man das Buch auch gut unterwegs, auf der Arbeit in der Pause oder sonst wo lesen kann. Und: Ich finde, es eigenet sich auch hervorragend als Geschenk für die Person in eurem Leben, die schon alles hat.

Ich vergebe daher 5 Tässchen und damit eine volle Kanne an diesen ca. 220 Seiten langen Geheimtipp.

5of5

Habt ihr ähnliche Bücher parat, die euch positiv von den Socken gehauen haben? Oder sehr empfehlenswerte Bücher über legendäre Roadtrips? Hinterlasst gerne Kommentare 🙂

Eure Katy

 

P.S.: Ich liebe es, dass das Buch bei Penguin Books erschienen ist :))

Review: Alwyn Hamilton: Rebel of the sands

Huhu, ich habe einen richtigen Lauf 🙂 Heute stelle ich euch wieder ein Jugendbuch vor, der Auftakt von Alwyn Hamiltons “Rebel of the sands” Trilogie. Der zweite Teil “Traitor to the throne” ist auf englisch bereits erhältlich.

“Rebel of the sands” schlägt ganz grob in die Kerbe der Fairytale-retellings, in denen bekannter Stoff aus Märchen, Sagen und Co. in einem neuen Kontext und meist moderner aufgenommen werden. Diese Art der Rezeption ist in den letzten Jahren zum Trend im Jugendbuchgenre geworden, man denke nur an die Lunar Chronicles Serie von Marissa Meyer, “Never never” von Brianna Shrum oder auch die Percy Jackson Serie von Rick Riordan. So wie wir uns vor 10 Jahren nach dem Hype um “Twilight” nicht vor neuen Vampirromanzen retten konnten, kommen wir im Jugenbuchsektor kaum mehr um diese Retellings und natürlich Dystopien umhin, letztere befeuert durch den Erfolg der Hunger Games Serie von Suzanne Collins.

Bei solchen Hypes bin ich persönlich immer etwas misstrauisch, nur weil mir beispielsweise Hunger Games sehr gut gefallen hat, heißt das noch lange nicht, dass mir alle anderen Dystopien auch gefallen. Natürlich gibt es auch gut geschriebene Dystopien mit neuen Twists, die erst nach den Hunger Games erschienen sind. Bei Retellings verhält es sich meiner Meinung nach etwas anders: Es ist von Anfang an klar, dass die Originalgeschichte “geborgt” ist, umso mehr muss der Autor arbeiten, damit sein Werk sich abhebt, man mit den Charakteren mitfiebert, und einige eigene Details einfließen, die die Geschichte dennoch zu etwas besonderem machen. Wenn all das gegeben ist, oute ich mich gern als Fan von Fairytale-retellings 🙂

Um nun den Bogen zu Rebel of the sands zu spannen: Das Buch ist klasse. Wie ihr euch vielleicht schon gedacht habt, benutzt die Autorin einige Elemente aus den Märchen aus 1001 Nacht, in erster Linie die Djinnis und deren Fähigkeiten und Mächte. Aber ich fange mal vorne an.

Wir lernen Amani kennen, die in einem sehr armen Wüstendörfchen bei ihrer Tante und gefühlt drölfzig Cousinen aufwächst und deren einziger Wunsch es ist, dort wegzukommen, um einer Zwangsehe mit ihrem Onkel zu entgehen. Gut für Amani: Sie ist eine unfassbar gute Schützin mit ihrer Pistole und versucht, verkleidet als Mann, bei einem Wettschießen ein Preisgeld und damit das Ticket zu ihrer Freiheit zu gewinnen. Bei eben diesem Wettschießen lernt sie einen jungen Mann kennen, der ebenfalls auf das Geld angewiesen ist, weil er zu einer Rebellengruppe gehört und auf der Flucht ist. So nimmt die Geschichte ihren Lauf und die beiden enden gemeinsam auf der Flucht.

Die Autorin hat hier wirklich eine lebendige Welt geschaffen, ich habe während des Lesens ständig den Sand um mich gespürt 😉 Was mich wirklich verblüfft hat: Auf dem englischen Cover prangt die Werbung: “Like Katniss? Love Rey? Meet Amani” Und sie haben Recht! Amani ist keine “Damsel in distress”, sie kommt prinzipiell auch sehr gut alleine klar. Man hat nicht das Gefühl, dass sie ihrem Reisegefährten in Witz, Können, Cleverness oder sonst irgendetwas hinterherhängt. Und das, obwohl Hamilton eine Umgebung für ihre Heldin geschaffen hat, die nicht viel Freiraum für Frauen bietet. Vergewaltigung und Erniedrigung werden schonungslos thematisiert, Amanis eigene Mutter wurde hingerichtet, da man ihr “Beischlaf mit einem Fremden” vorwarf, da Amanis Augen strahlend blau sind. Aufgrund der teilweise brutalen Schilderungen ist das Buch auch eher nichts für zart Besaitete oder sehr junge Leser.

Den “Twist” in der Geschichte bilden die Western-Elemente, die zusätzlichen Abenteuergeist einhauchen und die Rebellengruppe, die um Untergrund operiert und den mordernen Touch verleiht.

Ich persönlich habe sehr schnell in die Geschichte gefunden und das Buch noch in derselben Nacht durchgelesen. Ich vergebe 4 Tässchen und empfehle das Buch für alle, die gerne Abenteuergeschichten mit einer ordentlichen Prise Magie über starke Heldinnen lesen. Ich freue mich schon auf den zweiten Band 🙂

4of5

Wie ist eure Meinung zu Fairytale-retellings? Was habt ihr schon gelesen, was hat euch gefallen? Habt ihr Buchempfehlungen mit starken weiblichen Hauptcharakteren? Hinterlasst Kommentare 🙂

Eure Katy

Review: Anna McPartlin: The last days of Rabbit Hayes

Und noch eine Rezension an diesem Wochenende 🙂 Dieses Mal schreibe ich über “The last days of Rabbit Hayes”, ein Buch, das ich schon lange auf meiner Wunschliste hatte und das deshalb auch nur sehr kurz auf meinem SuB lag.

Mia Hayes, von ihrer Familie und Freunden nur Rabbit genannt, hat Krebs im Endstadium. Wir lernen sie kennen, als ihre Mutter sie schweren Herzens ins Hospiz bringt. Rabbit ist ca. Anfang 40, hat eine 12-Jährige Tochter und steht auch sonst mitten im Leben. Rundherum lernen wir den gesamten Hayes-Clan kennen, und wie jeder von ihnen mit der Trauer und Hilflosigkeit umzugehen versucht. Am herausstechendsten wäre da wohl ihre Mutter, die eine fluchende und offenherzige Kämpfernatur ist und viel Wärme in die Geschichte bringt.

Parallel zu ihrem eigenen Kampf mit dem Krebs erfahren wir viel über Rabbits Jugend und die Band ihres Bruders, bei der sie als Kind lauscht und als Jugendliche als Tontechnikerin einspringt. Immer wenn Rabbit benebelt von den Schmerzmitteln einschläft, kehrt sie zu dieser Zeit und der Liebe ihres Lebens, Johnny, zurück.

Viel mehr möchte ich ander Stelle nicht verraten, das Ende ist zwar nicht sehr überraschend, jedoch will ich euch keinesfalls die Details vorwegnehmen.

Die letzten Tage von Rabbit Hayes bei Amazon mit wirklich schönem Cover, wie ich finde 🙂

Mich konnte das Buch nicht restlos überzeugen, ehrlich gesagt gibt es aus meiner Sicht bessere Bücher zum Thema Krankheit, Trauer und im weitesten Sinne Familiengeschichten. Die Autorin hat sich zwar Mühe gegeben, authentische Charaktere zu erschaffen und die Details, z.B. in der Medikamentenvergabe, stimmen, aber so richtig mitgefiebert habe ich dann eben doch nicht. Jeder Charakter hat eine Macke mitbekommen, die ihn jeweils abheben und plastischer machen soll, aber richtig eintauchen in die Familienbande konnte ich nicht, da mir einige Dinge doch aufgesetzt vorkamen. Zu erwähnen ist da die Nachbarin von Mrs. Hayes, die eine tiefe Freundschaft zur Familie hat, seitdem sich Mrs. Hayes quasi ganz alleine dem gewalttätigen Ehemann ebendieser Nachbarin entgegenstellt, während ihre eigenen Kinder ängstlich im Haus warten. Aaahja. Schade, da das Buch ja doch einen kleinen Hype ausgelöst hat.

Zudem will das Buch an einigen Stellen auflockern, die Charaktere sprechen durchweg mit irischen Floskeln und Dialekt, was ich eben auch nicht immer als glaubhaft wahrgenommen habe.

Auch wenn ich eigentlich kein Fan von Vergleichen bin, ziehe ich jetzt mal einen groben Vergleich zu zwei “großen” Vertretern des Genres: Jojo Moyes’ “Me before you” und John Greens “The fault in our stars” sind bei mir absolute Favoriten. Erstere Geschichte schafft verschiedene Ansichten und Meinungen zu einem kontoversen Thema unterzubringen, sodass man noch wochenlang über das gelesene nachdenken muss und letzteres überzeugt mit glaubhaften Charakteren, obwohl einiges am Plot sehr konstruiert ist. Diese beiden Eigenschaften haben mir bei “The last days of Rabbit Hayes” leider komplett gefehlt. Ironischerweise prangt auf dem englischen Cover eine Empfehlung des Buches von John Green 😉

Zusammenfassend vergebe ich drei Tässchen und empfehle das Buch für Leute, die zwischendurch etwas fürs Herz lesen möchten, ohne jedoch zu involviert zu sein.

3of5

Habt ihr das Buch gelesen? Findet ihr den Hype berechtigt? Schreibt Kommentare 🙂

Eure Katy

Review: Laura Tait & Jimmy Rice: The best thing that never happened to me

Hallo liebe Leute, ich nutze mal wieder das lange Wochenende, um eine längst überfällige Rezension zu schreiben: “The best thing that never happened to me” vom Autorenduo Laura Tait und Jimmy Rice. Die beiden sind übrigens weder verheiratet noch sonst wie liiert 😉

Die Story ist simpel und auch nichts bahnbrechend Neues: Holly und Alex kennen sich von Kindesbeinen an und sind die dicksten Freunde. Eigentlich haben beide Gefühle füreinander, aber ein Missverständnis sorgt dafür, dass die sich das nie sagen und so verlieren sie sich nach dem Schulabschluss für ein paar Jahre aus den Augen.

Holly arbeitet mittlerweile in London und hat eine geheime aber aus ihrer Sicht total klasse laufende Beziehung mit ihrem Chef, ihre Reiseträume aus der Jugend hat sie irgendwie hinten angestellt und begraben und es überrascht sie, als sie Alex wiedertrifft, bzw. ihre Mutter ihr mitteilt, dass er nun auch in London ist und als Lehrer arbeitet.

Mehr Story kann ich nicht vorwegnehmen, es kommen noch ein paar Gründe, warum sie nicht zusammen sein können, es ist eben eine klassische , britische Rom-Com. Die Idee, die Kapitel abwechselnd aus Hollys und Alex´Sicht zu gestalten ist ganz nett, so weit ich weiß, wurden die Kapitel dann auch jeweils nur von Laura Tait oder eben Jimmy Rice geschrieben.

Bei mir kam der Funke nicht wirklich an, ich bin kein typischer Rom-Com Leser, obwohl ich die Mhairi McFarlaine Romane z.B. sehr unterhaltsam finde. Hier ist mir die Story einfach zu flach, Nebencharaktere haben zum Teil nur eine Eigenschaft (“Prolet”, “Zicke”) oder machen eine nicht nachzuvollziehende Entwicklung durch (“Prolet” -> “Samarither, der das Missverständnis auflöst”). Die Hauptcharaktere sind etwas liebevoller gestaltet, jedoch ist ein Charakter, der gerne reist oder ein bisschen neurotisch veranlagt ist noch lange nicht plastisch.

Ich vergebe daher zwei Tässchen, das Buch ist meiner Meinung nach nur etwas für eingefleischte Rom-Com Leser oder einen ausgedehnten Strandurlaub.

2of5

Habt ihr das Buch gelesen oder habt andere Vorschläge für leichte Lektüre zwischendurch? Hinterlasst mir gerne eure Kommentare 🙂

Eure Katy

IronMangelangweilt

P.S.: Hasst ihr das Wort ChickLit genauso wie ich?! Das steht ungelogen für alles was ich hasse in der Literaturwelt 😉

Review: E. Lockhart: We were liars

Es ist Oster-langes-Wochenend-Samstag und ich komme in aller Ruhe zum rezensieren. Heite möchte ich euch “We were Liars” von E. Lockhart vorstellen. Die Autorin hat einige Jugendbücher, z.B. “The boyfriend list” und unter ihrem richtigen Namen Emily Jenkins schon ziemlich viele Kinderbücher veröffentlicht.

Als ich das Buch kaufte, habe ich aufgrund des Titels und des Covers einen Thriller oder zumindest Mysteryroman erwartet und wurde dahingehend auch nicht enttäuscht. Ich schiebe das nur vorweg, da einige Amazonrezensenten enttäuscht waren, dass es keine Sommerromanze ist.

We were liars bei Amazon

Zur Handlung: Cadence, genannt Cady, ist Mitglied der Sinclair Familie, eine wohlhabende und angesehene Familie, die eine Privatinsel besitzt, auf der jeden Sommer gemeinsam der Urlaub verbracht wird. Cady selbst ist Einzelkind, hat aber einige Cousins und Cousinen, mit denen sie eine sehr freundschaftliche Verbindung teilt.

Irgendwann bringt einer ihrer Cousins einen Freund mit auf die Insel, Gat, in den sich Cady verliebt und die kurze Zeit ein Paar sind. Zusammen mit Gat, Mirren und Johnny ist Cady in einer Art Bande und sie nennt sich selbst und die drei “The liars”. Die Kinder bemerken, dass die Familie hinter der Fassade zerrüttet ist, zwischen den Erwachsenen herrscht Wettkampf um die Gunst des Großvaters und damit um das Erbe der Sinclair. Es wird intrigiert, gestritten und geschauspielert, in Cadys Fall belastet das das Verhältnis zu ihrer Mutter sehr.

In dem Sommer, in dem Cady 15 Jahre alt ist, hat Cady schließlich einen Unfall, an den sie sich nicht mehr erinennern kann. Die Ärzte sagen, sie müsse sich in ihrem Tempo erinnern. Durch den Unfall hat Cady dauerhaft schlimme Kopfschmerzen und muss sich immer wieder übergeben. Sie kann kaum zur Schule gehen und verbringt den Sommer statt auf der Familieninsel mit ihrem Vater in Europa.

In dem Sommer, als sie schließlich 17 ist, kehrt sie zurück auf die Insel und trifft Gat, Johnny und Mirren wieder. Gemeinsam lüften sie das geheimnis um den Unfall.

Ich kann nur sagen: Wow. Ich bin ein großer Fan von unzuverlässigen Erzählern. Durch Cadys Unfall und ihre Erinnerungslücken erwartet man die Auflösung fast bis zum Schluss nicht.

Ich persönlich empfand auch die Charakterentwicklung als sehr gelungen: Keine der Figuren war “zu gut”. An einigen Stellen mag man die Hauptpersonen überhaupt nicht, aber sie handeln nie unglaubwürdig. Mit hinein in die Charakterentwicklung von Cady spielt die besondere Erzählweise. Cady erzählt in kurzen, abgehakten Absätzen, die lose ineiander übergehen. Zu jedem ihrer drei Freunde hat sie eine bestimmte Beschreibung, die die Persönlichkeit dieser Figur einfangen soll. Z.B. beschreibt sie Gat: “He was contemplation and enthusiasm. Ambition and strong coffee. I could have looked at him forever.” Ich kam in die Story und die verschiedenen Ebenen der Sinclair Familie gut rein und habe die etwas über 200 Seiten schnell durchgelesen.

Alles in allem kann ich das Buch als Sommerlektüre allen Fans von Plottwists empfehlen und vergebe 4 Tässchen. Die deutsche Version “Solange wir lügen” erscheint pünktlich in der Freibadsaison am 25.06.17 als Ravensburger-Taschenbuch. Die gebundene Ausgabe ist bereits erhältlich.

4of5

Habt ihr das Buch bereits gelsen oder habt ähnliche Empfehlungen mit Plottwists parat? Immer raus damit, ich freue mich über Kommentare!

Eure Katy

Review: Lena Dunham: Not that kind of girl

Hallo ihr lieben, heute rezensiere ich zur Abwechslung mal ein Buch der Kategorie “Non-fiction”. Ab und zu reizt es mich sehr, autobiographisches von starken Frauen zu lesen, und da es um das Buch von Lena Dunham einen kleinen Hype gab, hatte ich es zu meinem SuB hinzugefügt, damals zusammen mit “I don´t care about your band” von Julie Klausner.

Lena Dunham ist eine amerikanische Berühmtheit und Produzentin der HBO Serie “Girls”, wovon ich ehrlicherweise vorher nie etwas gehört habe.

Der Untertitel des Buches lautet übrigens “A young women tells you what she´s learned”. Das Buch erschien 2014, als Dunham selbst zarte 28 Jahre alt war und ist im Wesentlichen eine Aneinanderreihung von Kindheits- und Jugendserinnerungen, die sie selbst für relevant in ihrer Persönlichkeitsentwicklung hält. Sie unterteilt das Buch lose in die Abschnitte “Love & Sex”, “Body”, “Friendship”, “Work” und “Big Picture”.

Im Nachhinein muss ich wohl sagen, dass dieses Buch ein ganz typischer Fall von “ich hatte etwas völlig anderes erwartet” war. Manchmal überrascht einen so etwas ja dann positiv. In diesem Fall nicht. Ich hatte eine Art leichtes, beschwinktes self-help Buch erwartet, bei denen man aus den lustigen Anekdoten des Autors selbst für sich etwas mitnehmen kann. Lena Dunham hat aber ein Leben geführt, in das ich mich selbst nicht mal für eine Sekunde reinversetzen kann.

Not that kind of girl bei Amazon, mit Blick ins Buch Funktion. Hier die deutsche Version

Ihre beiden Eltern sind Künstler, an einer Stelle in ihrem Buch erläutert sie z.B., dass ihre Mutter gerne Aktfotographien von sich selbst geschossen hat. Das finde ich auch alles nicht so schlimm, allerdings hat Dunham offensichtlich von klein auf das Bedürfnis, sich darzustellen und zu unterstreichen, dass sie anders ist, eben not that kind of girl (ich hätte es wissen müssen). Bei ihr geht das auch weiter als der übliche Jugendtrotz, sie eckt in ihrer Schule so sehr an, dass sie später auf ein Künstlercollege geht, dass quasi nur noch aus Schneeflocken besteht.

Auch ihre sexuellen Erfahrungen und die Partys, bei denen völlig selbstverständlich harte Drogen und verschreibungspflichtige Tabletten eingeworfen werden, sind fern ab von allem. Ich habe zwischendurch an mir gezweifelt, ob ich vielleicht einfach ein prüdes Weltbild habe, aber eine Arbeitskollegin hat die betreffenden Kapitel gelesen und auch nur mit dem Kopf geschüttelt. Vielleicht wäre das alles halb so schlimm in meiner Empfindung gewesen, wenn Dunham diese Exzesse im Nachhinein reflektiert und als gefährlich oder dumm oder was auch immer eingestuft hätte. Aber das tut sie nicht.

Ebensowenig kann ich mir eine Meinung darüber bilden, ob es seltsam ist, sich für Art-Kurzfilme beim Sex zu filmen. Dunham hat vor ihrer Arbeit an der Serie “girls” eine Art Dokumentarserie gehabt, in der sie jungen Leuten das Thema Sex näher bringen sollte und auch in Eigenregie viele Kurzfilme produziert, die sich mit Sexualität und Aufklärung befassen.

Ich halte es für äußerst wichtig, dass sich junge (und natürlich auch alle anderen) Menschen mit ihrer Sexualität auseinander setzen und offen damit umzugehen lernen. Allerdings hatte ich während der kompletten Lektüre das Gefühl, dass gut 85% ihrer Handlungen von Dunham nur ausgeführt werden, um zu provozieren.

Sie erzählt in ihrem Buch natürlich auch nicht nur von sich. Ihre Familie und ihre früheren Freunde werden eingängig beschrieben, die Homosexualität ihrer Schwester wird ebenso analysiert wie auch Peinlichkeiten aus der Kindheit ausgeplaudert. Am schlimmsten kommen allerdings die Jungs und Männer weg, mit denen sie einmal Sex hatte oder mit denen sie zusammen war. Die Namen wurden zwar immer geändert, aber in Amerika gab es wohl Schlagzeilen, weil Dunham einen jungen Mann vom College beschrieb, mit dem sie Sex hatte, der sie aber mehr oder weniger dazu überredet hatte. Sie klagt ihn in dem Buch zwar nicht wörtlich der Vergewaltigung an, sie stellt es aber schon als sehr belastendes und im Nachhinein verstörendes Erlebnis dar. Durch die Beschreibung des Mannes wurde ein Mann öffentlich beschuldigt und Dunham musste sich entschuldigen und offiziell angeben, dass er nicht gemeint war. Das alles stellt sie nicht unbedingt in einem glaubwürdigen Licht dar.

Ich könnte jetzt noch hundert andere Stellen und Details des Buches nennen, die mir nicht gepasst haben, es tut mir auch Leid, dass ich so gar nichts Positives dafür übrig habe. Ich kann das Buch einfach niemandem empfehlen. Dunham reflektiert meiner Meinung nach immer noch wie eine 8-Jährige, junge Frauen sollten sich auf keinen Fall ein Beispiel an ihrem Narzissmus nehmen und komplett glaubhaft sind die Geschichten zu allem Überfluss auch nicht. Der Hype um Episoden aus dem Leben irgendwelcher Promis, aus denen man irgendwelche Lehren ziehen soll gefiel mir schon bei “I don´t care about your band” nicht und wurde mit “Not that kind of girl” noch schlimmer. Von mir daher nur ein Tässchen. Mit einem Schluck zu lange gezogenem Schwarztee.

1of5

Habt ihr in letzter Zeit Non-fiction gelesen, oder sogar “Not that kind of girl”? Schreibt mir eure Meinungen und Buchtipps!

Eure Katy

Wtf-did-i-just-read