Review: Paul Murray: Skippy dies / Skippy stirbt

Es ist nun schon einige Jahre her, dass Skippy dies neu erschienen ist, und eine damalige Schulfreundin für eine Woche nur noch mit diesem Buch rumlief und allen empfohlen hat, es zu lesen. Nun also habe ich es von meiner mentalen To-read Liste geholt und gelesen (Danke, Chaima!).

Dieses Buch ist nicht leicht zu rezensieren. Ich befand mich über die fast 800 Seiten in einer üblen Gefühlsachterbahn. Ich bin ein Freund von ich-heule-mir-die-Augen-aus-Büchern, sofern sie nicht zu vorhersehbar oder schmalzig sind, siehe The book thief, the fault in our stars oder me before you.

Die quietschbunte Aufmachung des englischen Covers bei Amazon

Skippy dies ist aber subtiler und erschreckenderweise sehr viel realistischer, und das obwohl der Autor an einigen Stellen absurd wird und manches Mal Charakterzüge bewusst überzeichnet. Ich denke übrigens, dass das die Stellen sind, die lustig sein sollen..

Aber erstmal zum Inhalt: Die Geschichte fängt mit dem völlig surrealen Tod von Daniel “Skippy” Juster in einem Donut-Laden an. Als letzte Handlung malt er mit verschmierter Marmelade “Tell Lori…” auf die Fliesen, die Umstehenden Schüler fragen “Tell Lori you love her?” und er nickt dankbar und stirbt. Bumm. Einfach so. Sein korpulenter Freund Ruprecht van Doren ist dabei und versteht die Welt nicht mehr. Danach setzt die Handlung ein paar Wochen vor dem “Zwischenfall” an und erzählt alle Umstände, die zu diesem Ereignis geführt haben.

Mein persönliches Problem war, dass ich das Buch unterschätzt habe. Ich habe das quietschbunte Cover, die Einordnung als Jugendbuch und die Meinungen auf dem Cover (“Hilarious, funny”) gesehen und tatsächlich für 600 Seiten geglaubt, dass die Auflösung des Todes kommt, dass Skippy im Krankenhaus aufwacht und feststellt, dass er nur einen Donutbrocken im Hals hatte. Nein. Es beginnt mit dem Tod, der Titel ist der Tod, er ist tot. Das Buch führt verschiedenste Sichtweisen der einzelnen Figuren zu einem großen Ganzen zusammen, dass leider nicht sehr viel Platz für Hoffnung oder Witz lässt. Der 28-Jährige Lehrer, dessen Beziehung den Bach runter geht, der mit Drogen dealende Rohling, dessen Eltern sich scheiden lassen, sogar der Priester, der sich mit den sexuellen Fantasien über seine Schüler quält werden detailliert und mit einiger Länge ins Gesamtbild gewoben. Und mitten drin Skippy, dessen Mutter schwer krank ist, der sich von seinem Vater entfremdet, die erste Liebe erfährt und einfach ein Kollateralschaden in der Maschinerie katholische Jungenschule wird.

Ihr merkt an meinen Schilderungen, dass mich das Buch aufgewühlt hat. Ich habe immer wieder die gleichen Fragen an mich selbst gestellt: Gefällt mir das Buch? Nein. Ist es gut? Auf jeden Fall! Allerdings empfehle ich das Buch nicht für Leute, die sowieso gerade ein großes Päckchen Schicksalsschläge mit sich rum tragen. Für zart besaitete oder sehr junge Leser daher nicht unbedingt geeignet, auch weil zwischendurch einiges an Sexualität und Gewalt beschrieben wird.

Weil ich es nur mit “Auflagen” weiter empfehlen kann, vergebe ich drei Tässchen, allen die es lesen empfehle ich aber allemal einen Lesebuddy, mit dem ihr die besonders aufwühlenden Stellen diskutieren könnt. Im ernst. Das ist ein Buch, über das ihr sprechen wollen werdet!

3of5

Habt ihr das Buch schon gelesen oder habt es noch vor? Habt ihr euch von den Beschreibungen verleiten lassen? Schreibt gerne Kommentare 🙂

Liebe Grüße

Eure Katy

P.S.: Kann mich einer aufklären, was der Wal auf dem deutschen Cover verloren hat?

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