Review: Lena Dunham: Not that kind of girl

Hallo ihr lieben, heute rezensiere ich zur Abwechslung mal ein Buch der Kategorie “Non-fiction”. Ab und zu reizt es mich sehr, autobiographisches von starken Frauen zu lesen, und da es um das Buch von Lena Dunham einen kleinen Hype gab, hatte ich es zu meinem SuB hinzugefügt, damals zusammen mit “I don´t care about your band” von Julie Klausner.

Lena Dunham ist eine amerikanische Berühmtheit und Produzentin der HBO Serie “Girls”, wovon ich ehrlicherweise vorher nie etwas gehört habe.

Der Untertitel des Buches lautet übrigens “A young women tells you what she´s learned”. Das Buch erschien 2014, als Dunham selbst zarte 28 Jahre alt war und ist im Wesentlichen eine Aneinanderreihung von Kindheits- und Jugendserinnerungen, die sie selbst für relevant in ihrer Persönlichkeitsentwicklung hält. Sie unterteilt das Buch lose in die Abschnitte “Love & Sex”, “Body”, “Friendship”, “Work” und “Big Picture”.

Im Nachhinein muss ich wohl sagen, dass dieses Buch ein ganz typischer Fall von “ich hatte etwas völlig anderes erwartet” war. Manchmal überrascht einen so etwas ja dann positiv. In diesem Fall nicht. Ich hatte eine Art leichtes, beschwinktes self-help Buch erwartet, bei denen man aus den lustigen Anekdoten des Autors selbst für sich etwas mitnehmen kann. Lena Dunham hat aber ein Leben geführt, in das ich mich selbst nicht mal für eine Sekunde reinversetzen kann.

Not that kind of girl bei Amazon, mit Blick ins Buch Funktion. Hier die deutsche Version

Ihre beiden Eltern sind Künstler, an einer Stelle in ihrem Buch erläutert sie z.B., dass ihre Mutter gerne Aktfotographien von sich selbst geschossen hat. Das finde ich auch alles nicht so schlimm, allerdings hat Dunham offensichtlich von klein auf das Bedürfnis, sich darzustellen und zu unterstreichen, dass sie anders ist, eben not that kind of girl (ich hätte es wissen müssen). Bei ihr geht das auch weiter als der übliche Jugendtrotz, sie eckt in ihrer Schule so sehr an, dass sie später auf ein Künstlercollege geht, dass quasi nur noch aus Schneeflocken besteht.

Auch ihre sexuellen Erfahrungen und die Partys, bei denen völlig selbstverständlich harte Drogen und verschreibungspflichtige Tabletten eingeworfen werden, sind fern ab von allem. Ich habe zwischendurch an mir gezweifelt, ob ich vielleicht einfach ein prüdes Weltbild habe, aber eine Arbeitskollegin hat die betreffenden Kapitel gelesen und auch nur mit dem Kopf geschüttelt. Vielleicht wäre das alles halb so schlimm in meiner Empfindung gewesen, wenn Dunham diese Exzesse im Nachhinein reflektiert und als gefährlich oder dumm oder was auch immer eingestuft hätte. Aber das tut sie nicht.

Ebensowenig kann ich mir eine Meinung darüber bilden, ob es seltsam ist, sich für Art-Kurzfilme beim Sex zu filmen. Dunham hat vor ihrer Arbeit an der Serie “girls” eine Art Dokumentarserie gehabt, in der sie jungen Leuten das Thema Sex näher bringen sollte und auch in Eigenregie viele Kurzfilme produziert, die sich mit Sexualität und Aufklärung befassen.

Ich halte es für äußerst wichtig, dass sich junge (und natürlich auch alle anderen) Menschen mit ihrer Sexualität auseinander setzen und offen damit umzugehen lernen. Allerdings hatte ich während der kompletten Lektüre das Gefühl, dass gut 85% ihrer Handlungen von Dunham nur ausgeführt werden, um zu provozieren.

Sie erzählt in ihrem Buch natürlich auch nicht nur von sich. Ihre Familie und ihre früheren Freunde werden eingängig beschrieben, die Homosexualität ihrer Schwester wird ebenso analysiert wie auch Peinlichkeiten aus der Kindheit ausgeplaudert. Am schlimmsten kommen allerdings die Jungs und Männer weg, mit denen sie einmal Sex hatte oder mit denen sie zusammen war. Die Namen wurden zwar immer geändert, aber in Amerika gab es wohl Schlagzeilen, weil Dunham einen jungen Mann vom College beschrieb, mit dem sie Sex hatte, der sie aber mehr oder weniger dazu überredet hatte. Sie klagt ihn in dem Buch zwar nicht wörtlich der Vergewaltigung an, sie stellt es aber schon als sehr belastendes und im Nachhinein verstörendes Erlebnis dar. Durch die Beschreibung des Mannes wurde ein Mann öffentlich beschuldigt und Dunham musste sich entschuldigen und offiziell angeben, dass er nicht gemeint war. Das alles stellt sie nicht unbedingt in einem glaubwürdigen Licht dar.

Ich könnte jetzt noch hundert andere Stellen und Details des Buches nennen, die mir nicht gepasst haben, es tut mir auch Leid, dass ich so gar nichts Positives dafür übrig habe. Ich kann das Buch einfach niemandem empfehlen. Dunham reflektiert meiner Meinung nach immer noch wie eine 8-Jährige, junge Frauen sollten sich auf keinen Fall ein Beispiel an ihrem Narzissmus nehmen und komplett glaubhaft sind die Geschichten zu allem Überfluss auch nicht. Der Hype um Episoden aus dem Leben irgendwelcher Promis, aus denen man irgendwelche Lehren ziehen soll gefiel mir schon bei “I don´t care about your band” nicht und wurde mit “Not that kind of girl” noch schlimmer. Von mir daher nur ein Tässchen. Mit einem Schluck zu lange gezogenem Schwarztee.

1of5

Habt ihr in letzter Zeit Non-fiction gelesen, oder sogar “Not that kind of girl”? Schreibt mir eure Meinungen und Buchtipps!

Eure Katy

Wtf-did-i-just-read

 

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