Review: Emma Healey: Elizabeth is missing /Elizabeth wird vermisst

Meine allererste Rezension fällt auf Emma Healeys wundervollen Debutroman Elizabeth is missing.

Die englische Version gibt´s bei Amazon hier

Der Roman erschien 2014 im Penguin-Verlag und hat seither viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es war eines dieser Bücher, dass ich vom ersten Hören Sagen sofort haben wollte und dann für schlechte Zeiten aufbewahrt habe, wenn die Welt grau und trostlos ist und man ein wirklich gutes Buch braucht. Sitzt sonst noch jemand auf gehamsterten Notfall-Büchern, oder mache das wirklich nur ich? 😀

Inhalt: Die 82-Jährige Maud hat Alzheimer. Da sie seit einiger Zeit ihre gute Freundin Elizabeth nicht gesehen hat, befürchtet sie, Elizabeth muss etwas Schreckliches zugestoßen sein. Durch das Alzheimer hat Maud immer wieder Erinnerungsflashbacks aus ihrer Jugend, als ihre große Schwester Sukey verschwand. Maud scheint die Einzige zu sein, die sich an Sukey erinnert, und die Einzige, die Nachforschungen über Elizabeth´ Verschwinden anstellt.

 

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Und die deutsche Version  hier

Meine Meinung: Ich muss gestehen, dass mich das Buch wirklich gepackt hat. Die Geschichte wird aus Sicht von Maud in der Ich-Perspektive geschrieben und hat dadurch einen unzuverlässigen Erzähler, der im Laufe der Geschichte immer weniger Zusammenhänge verstehen kann, obwohl Maud dem Rätsel immer näherkommt.

Die bloße Idee, aus Sicht eines Alzheimer-Patienten zu schreiben und das Ganze in einem immer wirrer werdenden Gedankenstrom aus Alltäglichem, Erinnerungen und Vermischungen von allem zusammen zu komponieren, hat mir außerordentlich gut gefallen.

Die Kapitel sind alle gleich aufgebaut: Maud bestreitet mehr oder weniger erfolgreich ihren Alltag, was ihr zum Ende hin immer schwerer fällt. Dem Leser wird Mauds immer schlechter werdender Zustand durch die Erzählperspektive eindringlichst aufgezeigt. Dann wird Maud durch ein Ereignis in der Gegenwart an etwas aus Ihrer Jugendzeit erinnert und Stück für Stück durchleben wir mit der jugendlichen Maud das Verschwinden ihrer großen Schwester Sukey.

Dabei stehen die verschiedenen Erzählstränge im krassen Gegensatz zueinander: Wo die 82-jährige Maud teilweise in einem Paragraph von einem Vorhaben auf etwas Gegenteiliges kommt, sind die Rückblenden der ca. 14-16-jährigen Maud chronologisch genau und detailliert erzählt.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Hauptpersonen in dem Roman wirklich plastisch und menschlich wirken. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühlt, dass sich ein Charakter abseits seiner Rolle bewegt, wenn ihr wisst, was ich meine 😉

Manchmal musste ich wirklich schmunzeln, wenn Maud z.B. innerlich am Fluchen war, dass die Frau von der ambulanten Pflege ihr drei mal gesagt hat, sie soll das Sandwich erst um 12 essen. Und dann isst sie das Sandwich sofort… Andere Male leidet man mit Maud mit, wenn sie sich unheimlich dafür schämt, dass sie z.B. vergessen hat, rechtzeitig auf Toilette zu gehen oder nicht mehr weiß, in welcher Hand man Gabel und Messer hält. Ich denke da kann jeder mitfühlen, ob man selbst privat von Alzheimer betroffen ist, oder nicht.

Neben Maud zu nennen wäre da in der Gegenwart Mauds erwachsene Tochter Helen, die sich um ihre Mutter kümmert und häufiger an ihre Grenzen stößt, wenn Maud zum 146sten Mal nach Elizabeth fragt, oder den Garten umgräbt oder das Haus fast abfackelt, weil sie ihr Omelett wieder vergessen hat.

Ganz besonders gut gefallen hat mir Sukeys Mann Frank, den man bis zur letzten Seite des Buches nicht richtig einschätzen kann. Frank wird nach dem Verschwinden von Sukey von deren Eltern verdächtigt, weil er zur Flasche neigt und krumme Geschäfte treibt. Was es mit Frank auf sich hat, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, aber er ist einer der komplexesten Charaktere, die mir in letzter Zeit untergekommen sind.

Insgesamt ist Elizabeth is missing kein Action-Thriller, der stark verschachtelte Fälle bereit hält. Das Buch lebt von dem interessanten Erzählstil und punktet im Gegenteil mit einem gewissen Grad an Glaubhaftigkeit, was mir persönlich wirklich gut gefällt, abgebrühteren Krimifans aber eventuell zu wenig Spannung beinhalten könnte.

Fazit: Ich vergebe für Elizabeth is missing 4 Tässchen, da mir die erfrischende Idee des Erzählens und die ungemein menschlichen Charaktere super gefallen haben. Ich würde das Buch definitiv weiterempfehlen!

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Ich hoffe, euch hat meine Rezi gefallen und ihr gebt Emma Healey eine Chance mit ihrem Debutroman. Falls ihr das Buch schon gelesen habt, schreibt gerne euren Senf in die Kommentare 🙂

Eure Katy

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